Zwerg Hamburger

 

Die Farbenschläge

 

       züchterische Entwicklung der Zwerg-Hamburger

 

 

Die Musterbeschreibung  der Zwerg Hamburger gleicht in fast allen Punkten in verzwergte Form der Großrasse und ist mit wenigen Ausnahmen noch heute gültig.

 

Die Zwerg-Hamburger sind edle Formenhühner mit schnittiger fasanenartiger Figur. Sie wirken fein und anmutig mit langem Gefieder, glänzenden Farben und edlem Kopf  mit Rosenkamm, der in einem waagerecht oder leicht steigenden runden Dorn endet. Sie haben eine schlanke, freistehende fast waagerechte  Körperhaltung mit flüssigem Übergang zur Schwanzpartie. Der nur leicht ansteigende Schwanz darf nicht stark gefächert getragen werden. Hähne wünschen wir uns mit vollem Behang. Die langen gut gebogenen möglichst breiten Sichelfedern sollen abgerundet enden und nicht schleppend getragen werden. Ihre beachtliche Legeleistung bei Eiergewichten um 40 Gramm betragen 130 bis 160 Eier pro Jahr.

 

 

 

Die Silberlack

 

Die Silberlack sind der älteste und am meisten verbreitete Farbenschlag.

 

Ihre Entstehung und die ersten 20 Jahre

 

Die Hamburger Silberlack-Zwerge wie man sie zu Beginn des letzten Jahrhunderts nannte, waren neben England besonders in Holland ein sehr beliebtes und damals stark verbreitetes Zwerghuhn. In Deutschland begann die Blütezeit der Silberlackzwerge Anfang der dreißiger Jahre. Verstärkt standen in den Jahren 1920 und 1921 in Hannover mehrere Silberlack-Zwerge des Züchters Büttner. Sie zeigten noch nicht den Hamburger-Typ, so ein Berichterstatter in der Deutschen Geflügel Zeitung. Es waren rosenkämmige Zwerge mit schwarz-weißem Gefieder, denn von einer regelrechten Tupfenzeichnung mit Lack konnte keine Rede sein. Die Hennen waren in Farbe vollkommen stumpf und wiesen eine große Anzahl von vollständig schwarzen Federn besonders in der Bürzelgegend auf. Vollkommen weiß dagegen war die Kehle, die sich bei Ihnen meist zu einem großen Latz erweiterte. Die Hähne waren steilschwänzig, zeigten Hängeflügel, hatten ebenfalls viele schwarze Federn im Sattelbehang und in den Nebensicheln, während der Halsbehang meist rein weiß war. Kämme und Ohrsscheiben ließen selbstverständlich noch viel zu wünschen übrig. Es waren also nur Anfänge eines neuen Zwerghuhnes.

 

Was haben die deutschen Züchter aber in den nächsten Jahren daraus gemacht? 

 

Die Wirtschaftlichkeit dieses Zwerghuhnschlages, der wiederstandsfähig ist, vorzüglich legt und guter Futtersucher ist, ebnete den Silberlack-Zwergen den Weg. Die Wirtschaftlichkeit spielte damals eine ganz besondere Rolle. So war in der Geflügel Börse 1934 zu lesen: „Was die wirtschaftlichen Beziehungen unserer Hamburger Zwergsilberlack anbelangt, so kann auch hier gesagt werden, dass sie die in sie gesetzten Hoffnungen restlos erfüllen, ja sogar bei richtiger Fütterung übertreffen. Eier bis zu 45 Gramm und Hennen mit einem Gelege von 120 bis 150 Eiern sind keine Seltenheit. An die Platzverhältnisse stellen sie auch keine großen Ansprüche. Darum möchte ich jedem Züchter, der nicht über große  Platzverhältnisse verfügt aber Lust und Liebe zum Züchten hat und gerne ein farbenfrohes Bild auf seinem Hühnerhofe besitzen möchte, raten, zu diesen Hühnern zu greifen. Sie sind stets eine Augenweide für jeden Besucher“. Diese schon damals dargestellte Aussage können wir voll und gut in die heutige Zeit übertragen.  Durch Einkreuzung von großen Silberlack folgten große Fortschritte in der Form, der Zeichnung und dem Lack. So wird berichtet, dass die gezeigten Tiere Anfang der dreißiger Jahre bei der Nationalen in Essen und in Leipzig große Fortschritte erreicht haben. Die von Richard Herzog gezeigten Tiere kommen schon den damals gewünschten Zielen sehr nahe. Mit begeisterten Worten schrieb der Holländische Hauptschriftleiter der Zeitung „ De Kleinveewereld“ van Gink über die großen Zuchtfortschritte der Silberlackzwerge. Aber schon damals war die Tupfengröße, wie auch heute, schon ein besonderer Punkt. Herr van Gink ist der Ansicht, dass eine kleinere Tupfung, die die Grundfarbe mehr hervortreten lässt, ansprechender wirke, als eine große Tupfung, die man in Holland  fand. Anderseits muss unbedingt daran festgehalten werden, dass der runde Tupfen am Federende auch seitlich bis ans den Federrand herantritt, dass er also nicht auf beiden Seiten von schmalen, weißen Säumen eingefasst wird. Weiter schreibt van Gink: „Wir wissen ja alle, die wir einmal Silberlack züchteten, dass bei kleineren Tupfen der grüne Lack verloren geht und die Tupfen glanzlos werden“.

Ein weiteres Problem war die Kehlzeichnung bei der Henne und die fast weiße Halszeichnung bei den Hähnen. Zwar waren um 1935 hier schon deutliche Fortschritte erzielt, jedoch zeigten selbst die Spitzentiere hier immer noch Mängel.

 Ein ganz anderer Punkt ist jedoch die Form. So war damals die Forderung, auch in der Musterbeschreibung von 1932 verankert: „Ein guter Hamburger zeichnet sich vor allen Dingen durch seine hochgetragene Brust und seine schlanke Figur (Fasanenart) aus“. Dieses damals typische Merkmal ist auch in den Abbildungen,  besonders bei den Hähnen, deutlich zu erkennen und unterscheidet sich deutlich zu unserer heutigen Musterbeschreibung.

Neben der Tupfenzeichnung , den hellen Kehlen bzw. der hellen Halszeichnung traten deutliche Probleme in der Besichelung der Hähne auf. Trotz größter Bemühungen der Züchter konnten damals kaum Zuchtfortschritte erzielt werden.

  

Sehr deutlich machte sich der 1933 gegründete Sonderverein bemerkbar. Die Zuchtrichtungen wurden klarer herausgearbeitet. Ein reger Austausch von Bruteiern und Tieren förderte die Verbreitung und Qualität der Hamburger Silberlack-Zwerge. Bei den Ausstellungen waren immer eine größere Anzahl von sehr feinen Hamburger Silberlack-Zwergen zu sehen. 

 In den folgenden Jahren wurden nach den Berichten deutliche Zuchtfortschritte erzielt. Rückschläge waren jedoch immer wieder durch die unterschiedlichsten Einkreuzungen zu verbuchen. Aber auch die Anforderungen an zunächst zurückgestellte Fehler traten in den Mittelpunkt. Verbessert werden musste die Form. Größere Ansprüche wurden an die Köpfe, Ohrscheiben und Kehllappen gestellt. Die Zeichnung mit klarer Bindenzeichnung musste verbessert werden, auch achtete man verstärkt auf eine saubere Grundfarbe. Moos im Rücken der Hähne und Hennen sowie sichtbares Moos im Schwanz.

Im Sonderverein machten sich die häufigen Wechsel im Vorstand bemerkbar. Hugo Müller stellte sein Amt, wahrscheinlich aufgrund der Kriegsverhältnisse kurz nach dem er es übernommen hatte, ohne Übergabe der schriftlichen Aufzeichnungen  wieder zur Verfügung. Leider sind aus diesem Grunde keinerlei Aufzeichnungen des Sondervereins mehr vorhanden.

Man hatte  sich vieles vorgenommen, aber dessen Verwirklichung und die langjährige Zuchtarbeit ging durch den Zweiten Weltkrieg zum größten Teil verloren.

 

 Neuanfang unter schwierigsten Verhältnissen

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Zwerg-Hamburger-Silberlack-Züchter fast wieder von vorne. Nur ein geringer Teil der Zuchten konnte erhalten werden. Paul Weber war es, der die Fäden wieder in die Hand nahm. Zu den wenigen alten Mitgliedern gesellten sich vorwiegend aus dem Großraum Leipzig einige interessierte neue Zuchtfreunde. Durch Austausch von Eiern begann man wieder die Zucht aufzubauen. Tierbesprechungen und Sonderschauen, wurden vorwiegend in Leipzig abgehalten. Durch die Benennung von Sonderrichtern und ihre konsequente Richtertätigkeit wurde die Qualität der Zwerg-Hamburger ständig verbessert. Auf einigen Bildern sind noch sehr gut die Ausgangstiere zu erkennen. Sie entsprachen den Tieren, die man aus den Anfängen der dreißiger Jahren her kannte. Zwar konnten bei einigen Tieren die Tupfen schon gefallen, aber die Zeichnung und insbesondere in Form war noch deutlich zu verbessern. Den nun nach der Musterbeschreibung gewünschten sehr schlanken Rumpf, walzenförmig mit edlen Linien war noch nicht anzutreffen. Auch die Kehlzeichnung ließ noch manchen Wunsch offen. Die Hähne zeigten kaum Hals- und Sattelzeichnung. Die Köpfe mit zu großen Kämmen stellten nicht das typische Aushängeschild eines Hamburgers dar.   

 

Die Trennung unseres Vaterlandes und die vielen Folgen des Zweiten Weltkrieges ließen die Zucht kaum vorankommen. In Leipzig wurden dann 1956 neue Schritte überlegt und der Sonderverein in der Bundesrepublik  1958 gegründet. Mit gemeinsamen Schritten wollte man die Zucht in beiden Teilen Deutschlands vorantreiben und mit Austausch von Tieren und Erfahrung die Zucht fördern. Leider wurde der Austausch von Tieren und Erfahrungen aber spätestens mit dem Bau der Mauer und durch schärfste Bestimmungen der DDR-Behörden unterbrochen.

 

Entscheidend für ein vorankommen in der Zucht war eine richtungsweisende Bewertung in beiden Sondervereinen. Als erstes Ziel stand die Form im Vordergrund. Hier konnten durch konsequente Zuchtauslese und Bewertung schnell erste Erfolge verbucht werden. Den Köpfen und Kämmen wurde weiter starke Bedeutung zugemessen. Einige Bilder aus den sechziger Jahren lassen deutliche Fortschritte in der Form und in den Köpfen erkennen. Auch in den Tupfen, der Zeichnung und Kehlzeichnung waren deutliche Verbesserungen eingetreten. Nun galt es, diese Erfolge bei den Ausstellungen zu zeigen und wir rüsteten zum größten Wettbewerb in der Deutschen Rassegeflügelzucht.

 

  

Wettbewerb um den Goldenen Siegerring

 

bei der Deutschen Junggeflügel Schau in Hannover 1968

 

 

Die damals für unmöglich gehaltene Anzahl von 136 Tieren stellte sich dem Preisrichter. Zwei wunderschöne Tiere erhielten die Note Vorzüglich. Ein Hahn von Anton Schumann mit wunderschöner  typischer langer Form, großen runden Tupfen, bester Zeichnung in Hals, Sattel und Binden sowie feinem Kopf zeigte den deutlichen Aufwärtstrend bei den Zwerg Hamburgern. Auch die mit „V“ ausgezeichnete Henne von Ronald Caspers verkörperte alle Vorzüge eines schönen Zwerg-Hamburgers mit bester Form, großen runden Tupfen, und trotzdem kein überzeichnetes Zeichnungsbild,  Hervorzuheben die klare Zeichnung der Kehle, der Binden und der Stufen. Diese beiden, aber auch viele weitere Tiere konnten voll überzeugen und den großen Zuchtfortschritt in den zehn Jahren seit Bestehen des Sondervereins dokumentieren.

 Der Präsident des BDRG, Wilhelm Ziebertz, überreichte anlässlich der Festveranstaltung mit Züchterabend auf dem Messegelände dem Erringer,  Anton Schumann, Balge, den Goldenen Siegerring.

 

Nach diesem Großereignis und den großartigen Zuchterfolgen galt es, das Erreichte zu erhalten, zu festigen sowie weitere Zuchtziele voranzutreiben. Hier waren im Wesentlichen zu nennen: Bei den Hähnen die Kämme, Kehllappen,  Rückenlinie, Ohrscheiben, saubere Grundfarbe, Hals und Sattelzeichnung, bei den Hennen, Kehl- und Kopfzeichnung, saubere Grundfarbe, Tupfengröße und eine klare nicht überladene Zeichnung.Bei den Hähnen konnten die Kämme und Kehllappen zwar in den folgenden Jahren deutlich verbessert werden, jedoch waren hier immer wieder Rückschläge hinzunehmen. Immer wieder zu beanstandende Punkte waren die Körperhaltung, Rückenlinie und die Flügelhaltung. Auch hier konnten nur langsam Fortschritte erzielt werden. Stärkste Beachtung widmeten wir der sauberen Grundfarbe, jedoch konnten hier schnell durch die Hinweise der Preisrichter Erfolge erzielt werden.

Bei den Hennen bereiteten uns die dunklen Hinterköpfe immer wieder große Probleme, eine Folge der vollen Kehlzeichnung. Als zu dunkel ist zu bezeichnen, wenn die Federn im Hinterkopf kein weiß mehr zeigen. Auch hier waren, wenn auch langsam Erfolge zu verzeichnen. Das gleiche trifft bei der klaren nicht überladenen Zeichnung zu. Ziel ist es eine breite Feder mit rundem Tupfen am Ende zu züchten. Bei breiter Feder ist naturgemäß der Tupfen auch größer und das Farbbild wirkt dunkler, deshalb sind Tiere mit großen Tupfen und folge dessen etwas überladener Zeichnung nicht zu strafen und für die Zucht besonders wertvoll. Hier ist ein guter Mittelweg anzustreben.

 

Bei den Großschauen und Hauptsonderschauen waren in all den Jahren recht gleichmäßige Kollektionen der Silberlack zu bewundern.

  

 

Die Wiedervereinigung

 

Einen neuen großen Schub brachte die Wiedervereinigung mit sich. Bei den ersten Hauptsonderschauen standen mit Rekord-Meldeergebnissen von fast 400 Tieren erstmals über 200 Silberlack.

 

Die Zuchtstände in beiden Teilen Deutschland waren sehr gleich, und so vollzog sich auch im gemeinsam zusammengeführten Sonderverein die Zucht und Bewertung vollkommen reibungslos. Die bisherige Zuchtarbeit setzte sich fort und so konnten weitere Fortschritte erzielt werden. Bei den Hähnen haben sich die Formen stark verbessert. Nur selten mussten Tiere zurückgesetzt werden. Auch farblich gab es kaum Versager. Starke Fortschritte sind gerade in den letzten Jahren in der vollen Schwanzbesichelung erfolgt. Auch ein Dauerproblem, die Kehllappen, haben sich deutlich verbessert, wenn auch leichte Falten im Kehllappenansatz nicht zu strafen sind. Bei den Hennen sind die dunklen Hinterköpfe fast verschwunden – und das bei weiterhin guter Kehlzeichnung. Auch sind die Tiere trotz breiter Feder etwas offener in der Zeichnung geworden.

  

All diese Fortschritte sind sicher auch Dank der wegweisenden Beurteilung  unseren zahlreichen Sonderrichtern bei den Ausstellungen erzielt worden. Ihnen gebührt ein besonderes Lob und gleichzeitig ein Dankeschön für ihre Tätigkeit. Ein besonderer Dank gilt aber den Züchtern, dass sie immer wieder mit Mut und Energie die neuen Ziele angepackt haben, auch wenn es häufiger Rückschläge gab. Nur dadurch können wir heute auf eine erfolgreiche Zucht bei den Silberlack blicken. Auch weiterhin wünschen wir den Zuchtfreunden viel Erfolg in der Zucht und bei den Ausstellungen. Vor allem aber viel Freude mit Ihren Silberlack-Zwergen.

 

  

Die Goldlack

 

Die Goldlack haben eine wechselhafte züchterisch Entwicklung durchlaufen . Sie wurden zwar schon um 1900 erwähnt, es befassten sich aber nur wenige Züchter mit diesem Farbenschlag. Die Zeichnung ist die gleiche, wie bei den Silberlack, nur mit dem Unterschied, dass die Grundfarbe goldbraun und die Schwanzpartie rein schwarz verlangt wird. Die Goldlack sind von ihrer Legeleistung und vom Ei-Gewicht den Silberlack noch deutlich überlegen.

 

In den zwanziger Jahren konnten bei verschiedenen Schauen Goldlack Zwerge angetroffen werden. Figürlich wird von brauchbaren Tieren berichtet, wenngleich auch die meisten etwas groß waren. Farblich konnten die Tiere wohl gefallen, jedoch ließ die Tupfenzeichnung noch viele Wünsche offen.

  

Auch nach Gründung des Sondervereins 1933 waren sie nur selten zu sehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie fast ganz verschwunden. Lediglich von den Zuchtfreunden Gockel aus Bad Dürrenberg und Lindemann aus Schüttorf ist bekannt, dass sie noch Goldlack-Zwerge züchteten. Alfred Schweitzer nahm sich schon Anfang der sechziger Jahre diesem Farbenschlag an und zeigte recht schöne Tiere. Die Tupfenzeichnung ließ aber auch noch viele Wünsche offen. Ende der sechziger Jahre nahmen sich dann die Zuchtfreunde Bornemann, Kühne, Neumann, Haubrich und Schumann diesem schönen Farbenschlag an. Schon in kürzester Zeit konnten deutliche Zuchterfolge erzielt werden.

 

Bei der Deutschen Junggeflügelschau 1969 in Hannover erhielt ein figürlich sehr schöner Hahn mit schon beachtlicher Tupfung das „Blau Band“. Figürlich machten uns die Goldlack am wenigsten Schwierigkeiten. Bei den Hennen bereitete uns die Brustzeichnung große Probleme. Es war unser vorrangigstes Ziel, diese zu verbessern. Im Lauf der Jahre, insbesondere durch Einkreuzung von großen Goldlack, ging es voran. Die Grundfarbe verbesserte sich sprunghaft. Auch zeigen die Goldlack den kräftigsten Grünlack von allen Farbenschlägen, wobei sich hier und da aber auch violette Bänderung eingeschlichen hat. Die Köpfe dagegen waren den anderen Farbenschlägen deutlich überlegen. Sehr schöne dicke runde Ohrscheiben bei beiden Geschlechtern, sowie vollkommen glatte Kehllappen waren keine Seltenheit. Auch die Brustzeichnung hat sich gerade in den letzten Jahren sehr stark verbessert, diese ist heute bei den  meisten Tieren bei beiden Geschlechtern kaum noch zu beanstanden.  

Von allen Farbenschlägen zeigten sich in den letzten Jahren die Kollektionen der Goldlack am gleichmäßigsten und erfreuten so manchen Züchter und Betrachter. Wünschen wir doch diesem schönen, heute gut durchgezüchteten Farbenschlag, weitere neue Liebhaber und Züchter.

 

  

Die Schwarzen

  

Von den schwarzen Zwerg-Hamburgern verlangen wir in verstärktem Maß die schnittige, elegante Fasanenform und die Hähne mit voller Besichelung. Feine Hennen zeigen leicht gebogenen Schwanzdeckfedern. Auch die markanten Kopfpunkte sollen bei diesem einfarbigen Tieren besonders zum tragen kommen. Ein edler Kamm und große, dicke, weiße Ohrscheiben sowie ein leuchtendes rotes Gesicht mit dunklen Augen sind zu fordern. Die Läufe wünscht man sich satt schieferfarbig.

 Die Größe der Ohrscheiben sollte dem Tier angepasst und beim Hahn etwa der Größe eines 2 €-Stückes sowie bei der Henne eines 10 Cent-Stückes entsprechen. Die rein schwarze Farbe des Gefieders soll durch ihren käfergrünen Lackglanz hohen Ansprüchen gerecht werden.

 Schon in den zwanziger Jahren beschäftigte man sich mit der Herauszüchtung der schwarzen Zwerg Hamburger. Von allen Gremien und Fachleuten wurde von der Herauszüchtung und Anerkennung wegen der Verwechslung von Bantam und schwarzen Hamburgern abgeraten. Unsere Argumente Mitte der 60er Jahre in der ehemaligen DDR und 1972 in der Bundesrepublik bei dem Antrag auf Anerkennung lautete Eindeutung: „Bei dem großen Unterschied in der Form, der Flügelhaltung und dem Schwanzaufbau ist eine Verwechslung auszuschließen“. Nach intensiver Züchtung durch Kreuzung von Goldlack, Deutschen Zwergen, und großen Hamburgern stellten die Zuchtfreunde, Horst Rommel, Lotte und Josef Tapken, Fritz Kühne, Horst Eimertenbrink, Ronald Caspers, Helmut Fritsch und Anton Schumann in Leipzig bzw. bei der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover Schwarze mit Erfolg vor. Große Anerkennung erhielten wir selbst von dem Altmeister Georg Beck, der unseren Argumenten folgte und sich für die Anerkennung aussprach. Dank außerordentlich für die Schwarzen eingesetzt hat.

Aller Anfang ist schwer, auch dieses haben in den ersten Jahren die Züchter erkennen müssen, denn wie schon dargestellt, wurden die Anforderungen an die Schwarzen verhältnismäßig hoch  gestellt. Bei den Hennen konnten in der Form schon schnell Erfolge erzielt werden, aber bei den Hähnen bereitete dies doch weitaus mehr Schwierigkeiten. Tiere mit abfallender Körperhaltung, Steilschwanz und schlechter Flügelhaltung wurden herabgesetzt. Auch zu tief stehende Tiere bei beiden Geschlechtern wurden gestraft und konnten die Note „sehr gut“ nicht erreichen. Auch in der Farbe und besonders beim Lack mangelte es so manches Mal. Mit den Kopfpunkten konnten wir dagegen  schon schnell vorankommen. In den achtziger Jahren standen dann schon mehrere überragende Tiere bei den Ausstellungen. Kaum noch mussten die Kopfpunkte und die Farbe gestraft werden. Durch die Einkreuzungen ergaben sich leider aber immer wieder recht deutliche Unterschiede in der Größe, was insgesamt störend wirkte.

 

In den letzten Jahren konnten wir in der Regel überragende Qualitäten bei den Ausstellungen bewundern.  Es konnten höchste Ansprüche an die Tiere gestellt werden und sie wurden diesen gerecht. Beste lange Formen, mit lackreichem Schwarz und den edlen Köpfen mit den gewünschten großen dicken Ohrscheiben waren zu bewundern. Wünschen wir diesem Farbenschlag auch weiterhin den gewünschten Erfolg und freuen wir uns über diese eleganten schwarzen Zwerg-Hamburger.

 

 Die Weißen

 

                        von Hermann Bach, Offenbach

  

1970 habe ich die ersten weißen Hamburger in einem Vermehrungsbetrieb in Langendiebach bei Hanau gesehen. Auf Anhieb hat dieser Farbenschlag einen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Als 1. Vorsitzender des Sondervereins des Hamburger Huhnes habe ich dann erlebt, wie einige Züchter diesen Farbenschlag wieder auf Vordermann gebracht haben. Mittlereile hatte ich mich mit den schwarzen Zwerg-Hamburgern befasst. Aber der weiße Farbenschlag ging mir nicht aus dem Sinn. Ich konnte die Zuchtfreunde Reinhold Führer, Büttelborn, und Albert Wetztel, Nauheim, begeistern, mit mir zusammen den weißen Farbenschlag herauszuzüchten.

 Bei mir entstand der weiße Farbenschlag aus einem Zwerg-Hamburger-Hahn, schwarz, und einer Hamburger-Henne der Großrasse in Weiß. Hier fielen sehr schöne weiße Hennen und als Nebenprodukt schöne blaue Zwerg- Hamburger. Bei der Hauptsonderschau 1990 in Großostheim haben wir drei unsere ersten weißen Tiere intern vorgestellt. Ich hatte sehr gute weiße Hennen und Zuchtfreund Führer hatte einen sehr guten, aus „Rheinländerzucht“ stammenden weißen Zwerghahn, den er mir zur Zucht überließ. So konnten wir schon 1991 anlässlich der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover die ersten Zwerg-Hamburger, weiß, als Neuzüchtung vorstellen.

 Die Kommentare in der Fachpresse während der drei Jahre des Vorstellungsverfahrens waren durchweg positiv, wie man nachfolgend entnehmen kann:

  „Bei immerhin schon drei hier vertretenen Zuchten und mit fünf „sg“ honorierten Zuchtstand kann von einer solch gefestigten Zuchtbasis ausgegangen werden, dass der Anerkennung wohl nichts mehr im Wege stehen sollte“.

 Am 12. Mai 1994, anlässlich der BZA Sitzung in Haus Düsse wurden die Zwerg-Hamburger, weiß, anerkannt.

 In der Musterbeschreibung verlangen wir in der Farbe reines silberweiß. Die Läufe schieferblau und etwas hellere Augen als bei den Schwarzen Farbenschlag. Starker gelber Anflug ist als grober Fehler einzustufen. Alle weiteren Kriterien haben dem Standard der Zwerg-Hamburger zu entsprechen. Dass ein weißes Tier vor der Schau gewaschen werden muss, ist selbstverständlich. Dazu nimmt man lauwarmes Wasser, fügt ein handelsübliches Waschmittel hinzu und reinigt die Tiere je nach Verschmutzungsgrad damit. Nach dem Waschvorgang muss man das Gefieder gut ausspülen und abtrocknen lassen. Lässt man sie in einem vorgewärmten Raum auf eine Sitzstange über Nacht trocknen, steht einem Ausstellungserfolg nichts mehr im Weg. Es ist ratsam, diese „Wäsche“ zirka fünf Tage vor der eigentlichen Ausstellung durchzuführen.

 In den ersten Jahren waren selbstverständlich noch viele Fehler auszumerzen. So konnten die Kämme nicht immer überzeugen. Auch in der Größe waren die Tiere noch zu unterschiedlich. Bei den Hähnen konnten die Schwänze nicht befriedigen und auch die Läufe waren häufig etwas hell. All diese Probleme konnten aber mit der Zeit zum größten Teil ausgeräumt werden. In den letzten Jahren kann sich dieser Farbenschlag sehr wohl mit den anderen Farbenschlägen messen lassen und bei den Ausstellungen konnten wir feine Kollektionen der Weißen bewundern.

 Ich glaube, der weiße Farbenschlag hat sich in der Palette der Zwerg-Hamburger gut eingefügt. Mittlerweise werden die Zwerg-Hamburger, weiß, in Holland, Großbritannien und Dänemark gezüchtet.

 

Die Blauen

  

Bei den großen Hamburgern sind neben den Schwarzen und Weißen auch die Blauen zugelassen. Zuchtfreund Friedbert Peter hat sich in den neunziger Jahren mit der Erzüchtung dieses Farbenschlages beschäftigt und sie zur Anerkennung vorgestellt. Dieser dann 1994 zugelassene Farbenschlag ist aus schwarzen und weißen Zwerg-Hamburgern herausgezüchtet worden. Die Rassemerkmale bereiten bei der Züchtung nicht die größten Probleme, denn die Ausgangstiere sind fast ausschließlich Zwerg-Hamburger. Wir konnten in den letzten Jahren wunderbare Blaue mit tollen Figuren und feinen Köpfen sowie schönen Ohrscheiben bei den Hauptsonderschauen sehen. Die Farbe lautete bisher Blau und ist nun im Rahmen der Europäischen Standardanpassung rasseübergreifend in

„Blau Gesäumt“ umbenannt worden. Die neue Musterbeschreibung lautet nun: „Grundfarbe etwas dunkleres Taubenblau. Jede Feder mit mehr oder weniger dunkelblauem Saum. Hals- und Sattelbehang, Rücken und Flügeldecken des Hahnes sowie Halsbehang der Henne im Blau dunkler“. Diese Änderung kommt sicher den Züchtern entgegen. Leider gibt es nur wenige Zuchten unserer blauen Zwerg-Hamburger.

 

 

 

 

 

 

 

Die Gold- und Silbersprenkel

 

 

 

Schon weit vor 1900 wurde von den Hamburger-Sprenkel-Hühnern in Büchern berichtet. Einer Verzwergung der beiden Farbenschläge wurde aber in Deutschland nicht nachgegangen. In Holland sind die Gold- und Silbersprenkel schon sehr lange anerkannt und so standen schon 1947 in Enschede mehrere Tiere beider Farbenschläge.

 

 

 

Nach Besuchen bei holländischen Ausstellungen entschlossen sich einige Zuchtfreunde die dort anerkannten Goldsprenkel auch in Deutschland im Anerkennungsverfahren vorzustellen. Durch Kreuzungen der verhältnismäßig kleinen Goldsprenkel aus Holland mit kleinen Tieren der großen Hamburger Goldsprenkel ergaben sich sehr schnell brauchbare Tiere. Bei den Ausstellungen in Hannover zeigten 1989 bis 1991 die Zuchtfreunde Heinrich Friedrichs, Bruno Haubrich und Werner Schnelle ihre Tiere. Ebenfalls stellte zur gleichen Zeit Zuchtfreund Dieter Riedel seine Goldsprenkel in der DDR zur Anerkennung vor. Die Anerkennung wurde dann 1992 ohne Vorbehalte ausgesprochen. Nun galt es diese Zuchten zu festigen und der Musterbeschreibung entsprechend zu verbessern. Die Hähne sollen gleichmäßig am ganzen Körper goldbraun mit glänzenden Flügeldecken sein - die Steuerfedern schwarz und die Sicheln schwarz mit schmaler goldbrauner Säumung.

 

Bei den Hennen dagegen sollen die Federn mit Ausnahme des Halsbehangs, mit schmalen schwarzen, grünglänzenden Wellenbändern, möglichst im Verhältnis 1 : 1 sein, und sich gleichmäßig von Feder zu Feder fortsetzen und bandartig über den ganzen Körper ziehen.

 

Diese Ziele konnten sehr schnell verwirklicht werden. Zu verbessern sind sicher noch die Ohrscheiben, die besonders bei den Hennen noch zu klein und zu dünn sind.

 

 

 

Zur gleichen Zeit bemühte sich unser Altmeister Karl Fischer um die Anerkennung der Silbersprenkel. Mit Unterstützung der Zuchtfreunde Uwe Seidemann und Josef Langfermann wurde 1993 die Anerkennung der Zwerg-Hamburger, silbersprenkel, ausgesprochen. Die Hauptfarbe ist bei den Silbersprenkel silberweiß und die Zeichnung entspricht den Goldsprenkel. Bei den Silbersprenkel bereitet ähnlich wie bei den Weißen die Grundfarbe das größte Problem. Immer wieder trifft man schöne Tiere mit fehlerhaften gelben Anflug an. Die Hähne sollten eine noch gestrecktere längere Form haben. Bei den Hennen wünschen wir uns noch eine bessere Wellenbänderung in der Brustzeichnung. In Hannover stand  2003 erstmals eine größere Kollektion von Silbersprenkel. Bei den sehr gleichmäßigen Hennen konnte erstmals eine feine Formhenne mit bester Zeichnung mit vorzüglich Blaues Band herausgestellt werden. Wünschen wir diesem jungen Farbenschlag eine größere Beliebtheit.

 

 

 

 

Die Farbenschläge

 

       züchterische Entwicklung der Zwerg-Hamburger

 

 

Die Musterbeschreibung  der Zwerg Hamburger gleicht in fast allen Punkten in verzwergte Form der Großrasse und ist mit wenigen Ausnahmen noch heute gültig.

 

Die Zwerg-Hamburger sind edle Formenhühner mit schnittiger fasanenartiger Figur. Sie wirken fein und anmutig mit langem Gefieder, glänzenden Farben und edlem Kopf  mit Rosenkamm, der in einem waagerecht oder leicht steigenden runden Dorn endet. Sie haben eine schlanke, freistehende fast waagerechte  Körperhaltung mit flüssigem Übergang zur Schwanzpartie. Der nur leicht ansteigende Schwanz darf nicht stark gefächert getragen werden. Hähne wünschen wir uns mit vollem Behang. Die langen gut gebogenen möglichst breiten Sichelfedern sollen abgerundet enden und nicht schleppend getragen werden. Ihre beachtliche Legeleistung bei Eiergewichten um 40 Gramm betragen 130 bis 160 Eier pro Jahr.

 

 

 

Die Silberlack

 

Die Silberlack sind der älteste und am meisten verbreitete Farbenschlag.

 

Ihre Entstehung und die ersten 20 Jahre

 

Die Hamburger Silberlack-Zwerge wie man sie zu Beginn des letzten Jahrhunderts nannte, waren neben England besonders in Holland ein sehr beliebtes und damals stark verbreitetes Zwerghuhn. In Deutschland begann die Blütezeit der Silberlackzwerge Anfang der dreißiger Jahre. Verstärkt standen in den Jahren 1920 und 1921 in Hannover mehrere Silberlack-Zwerge des Züchters Büttner. Sie zeigten noch nicht den Hamburger-Typ, so ein Berichterstatter in der Deutschen Geflügel Zeitung. Es waren rosenkämmige Zwerge mit schwarz-weißem Gefieder, denn von einer regelrechten Tupfenzeichnung mit Lack konnte keine Rede sein. Die Hennen waren in Farbe vollkommen stumpf und wiesen eine große Anzahl von vollständig schwarzen Federn besonders in der Bürzelgegend auf. Vollkommen weiß dagegen war die Kehle, die sich bei Ihnen meist zu einem großen Latz erweiterte. Die Hähne waren steilschwänzig, zeigten Hängeflügel, hatten ebenfalls viele schwarze Federn im Sattelbehang und in den Nebensicheln, während der Halsbehang meist rein weiß war. Kämme und Ohrsscheiben ließen selbstverständlich noch viel zu wünschen übrig. Es waren also nur Anfänge eines neuen Zwerghuhnes.

 

Was haben die deutschen Züchter aber in den nächsten Jahren daraus gemacht? 

 

Die Wirtschaftlichkeit dieses Zwerghuhnschlages, der wiederstandsfähig ist, vorzüglich legt und guter Futtersucher ist, ebnete den Silberlack-Zwergen den Weg. Die Wirtschaftlichkeit spielte damals eine ganz besondere Rolle. So war in der Geflügel Börse 1934 zu lesen: „Was die wirtschaftlichen Beziehungen unserer Hamburger Zwergsilberlack anbelangt, so kann auch hier gesagt werden, dass sie die in sie gesetzten Hoffnungen restlos erfüllen, ja sogar bei richtiger Fütterung übertreffen. Eier bis zu 45 Gramm und Hennen mit einem Gelege von 120 bis 150 Eiern sind keine Seltenheit. An die Platzverhältnisse stellen sie auch keine großen Ansprüche. Darum möchte ich jedem Züchter, der nicht über große  Platzverhältnisse verfügt aber Lust und Liebe zum Züchten hat und gerne ein farbenfrohes Bild auf seinem Hühnerhofe besitzen möchte, raten, zu diesen Hühnern zu greifen. Sie sind stets eine Augenweide für jeden Besucher“. Diese schon damals dargestellte Aussage können wir voll und gut in die heutige Zeit übertragen.  Durch Einkreuzung von großen Silberlack folgten große Fortschritte in der Form, der Zeichnung und dem Lack. So wird berichtet, dass die gezeigten Tiere Anfang der dreißiger Jahre bei der Nationalen in Essen und in Leipzig große Fortschritte erreicht haben. Die von Richard Herzog gezeigten Tiere kommen schon den damals gewünschten Zielen sehr nahe. Mit begeisterten Worten schrieb der Holländische Hauptschriftleiter der Zeitung „ De Kleinveewereld“ van Gink über die großen Zuchtfortschritte der Silberlackzwerge. Aber schon damals war die Tupfengröße, wie auch heute, schon ein besonderer Punkt. Herr van Gink ist der Ansicht, dass eine kleinere Tupfung, die die Grundfarbe mehr hervortreten lässt, ansprechender wirke, als eine große Tupfung, die man in Holland  fand. Anderseits muss unbedingt daran festgehalten werden, dass der runde Tupfen am Federende auch seitlich bis ans den Federrand herantritt, dass er also nicht auf beiden Seiten von schmalen, weißen Säumen eingefasst wird. Weiter schreibt van Gink: „Wir wissen ja alle, die wir einmal Silberlack züchteten, dass bei kleineren Tupfen der grüne Lack verloren geht und die Tupfen glanzlos werden“.

Ein weiteres Problem war die Kehlzeichnung bei der Henne und die fast weiße Halszeichnung bei den Hähnen. Zwar waren um 1935 hier schon deutliche Fortschritte erzielt, jedoch zeigten selbst die Spitzentiere hier immer noch Mängel.

 Ein ganz anderer Punkt ist jedoch die Form. So war damals die Forderung, auch in der Musterbeschreibung von 1932 verankert: „Ein guter Hamburger zeichnet sich vor allen Dingen durch seine hochgetragene Brust und seine schlanke Figur (Fasanenart) aus“. Dieses damals typische Merkmal ist auch in den Abbildungen,  besonders bei den Hähnen, deutlich zu erkennen und unterscheidet sich deutlich zu unserer heutigen Musterbeschreibung.

Neben der Tupfenzeichnung , den hellen Kehlen bzw. der hellen Halszeichnung traten deutliche Probleme in der Besichelung der Hähne auf. Trotz größter Bemühungen der Züchter konnten damals kaum Zuchtfortschritte erzielt werden.

  

Sehr deutlich machte sich der 1933 gegründete Sonderverein bemerkbar. Die Zuchtrichtungen wurden klarer herausgearbeitet. Ein reger Austausch von Bruteiern und Tieren förderte die Verbreitung und Qualität der Hamburger Silberlack-Zwerge. Bei den Ausstellungen waren immer eine größere Anzahl von sehr feinen Hamburger Silberlack-Zwergen zu sehen. 

 In den folgenden Jahren wurden nach den Berichten deutliche Zuchtfortschritte erzielt. Rückschläge waren jedoch immer wieder durch die unterschiedlichsten Einkreuzungen zu verbuchen. Aber auch die Anforderungen an zunächst zurückgestellte Fehler traten in den Mittelpunkt. Verbessert werden musste die Form. Größere Ansprüche wurden an die Köpfe, Ohrscheiben und Kehllappen gestellt. Die Zeichnung mit klarer Bindenzeichnung musste verbessert werden, auch achtete man verstärkt auf eine saubere Grundfarbe. Moos im Rücken der Hähne und Hennen sowie sichtbares Moos im Schwanz.

Im Sonderverein machten sich die häufigen Wechsel im Vorstand bemerkbar. Hugo Müller stellte sein Amt, wahrscheinlich aufgrund der Kriegsverhältnisse kurz nach dem er es übernommen hatte, ohne Übergabe der schriftlichen Aufzeichnungen  wieder zur Verfügung. Leider sind aus diesem Grunde keinerlei Aufzeichnungen des Sondervereins mehr vorhanden.

Man hatte  sich vieles vorgenommen, aber dessen Verwirklichung und die langjährige Zuchtarbeit ging durch den Zweiten Weltkrieg zum größten Teil verloren.

 

 Neuanfang unter schwierigsten Verhältnissen

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Zwerg-Hamburger-Silberlack-Züchter fast wieder von vorne. Nur ein geringer Teil der Zuchten konnte erhalten werden. Paul Weber war es, der die Fäden wieder in die Hand nahm. Zu den wenigen alten Mitgliedern gesellten sich vorwiegend aus dem Großraum Leipzig einige interessierte neue Zuchtfreunde. Durch Austausch von Eiern begann man wieder die Zucht aufzubauen. Tierbesprechungen und Sonderschauen, wurden vorwiegend in Leipzig abgehalten. Durch die Benennung von Sonderrichtern und ihre konsequente Richtertätigkeit wurde die Qualität der Zwerg-Hamburger ständig verbessert. Auf einigen Bildern sind noch sehr gut die Ausgangstiere zu erkennen. Sie entsprachen den Tieren, die man aus den Anfängen der dreißiger Jahren her kannte. Zwar konnten bei einigen Tieren die Tupfen schon gefallen, aber die Zeichnung und insbesondere in Form war noch deutlich zu verbessern. Den nun nach der Musterbeschreibung gewünschten sehr schlanken Rumpf, walzenförmig mit edlen Linien war noch nicht anzutreffen. Auch die Kehlzeichnung ließ noch manchen Wunsch offen. Die Hähne zeigten kaum Hals- und Sattelzeichnung. Die Köpfe mit zu großen Kämmen stellten nicht das typische Aushängeschild eines Hamburgers dar.   

 

Die Trennung unseres Vaterlandes und die vielen Folgen des Zweiten Weltkrieges ließen die Zucht kaum vorankommen. In Leipzig wurden dann 1956 neue Schritte überlegt und der Sonderverein in der Bundesrepublik  1958 gegründet. Mit gemeinsamen Schritten wollte man die Zucht in beiden Teilen Deutschlands vorantreiben und mit Austausch von Tieren und Erfahrung die Zucht fördern. Leider wurde der Austausch von Tieren und Erfahrungen aber spätestens mit dem Bau der Mauer und durch schärfste Bestimmungen der DDR-Behörden unterbrochen.

 

Entscheidend für ein vorankommen in der Zucht war eine richtungsweisende Bewertung in beiden Sondervereinen. Als erstes Ziel stand die Form im Vordergrund. Hier konnten durch konsequente Zuchtauslese und Bewertung schnell erste Erfolge verbucht werden. Den Köpfen und Kämmen wurde weiter starke Bedeutung zugemessen. Einige Bilder aus den sechziger Jahren lassen deutliche Fortschritte in der Form und in den Köpfen erkennen. Auch in den Tupfen, der Zeichnung und Kehlzeichnung waren deutliche Verbesserungen eingetreten. Nun galt es, diese Erfolge bei den Ausstellungen zu zeigen und wir rüsteten zum größten Wettbewerb in der Deutschen Rassegeflügelzucht.

 

  

Wettbewerb um den Goldenen Siegerring

 

bei der Deutschen Junggeflügel Schau in Hannover 1968

 

 

Die damals für unmöglich gehaltene Anzahl von 136 Tieren stellte sich dem Preisrichter. Zwei wunderschöne Tiere erhielten die Note Vorzüglich. Ein Hahn von Anton Schumann mit wunderschöner  typischer langer Form, großen runden Tupfen, bester Zeichnung in Hals, Sattel und Binden sowie feinem Kopf zeigte den deutlichen Aufwärtstrend bei den Zwerg Hamburgern. Auch die mit „V“ ausgezeichnete Henne von Ronald Caspers verkörperte alle Vorzüge eines schönen Zwerg-Hamburgers mit bester Form, großen runden Tupfen, und trotzdem kein überzeichnetes Zeichnungsbild,  Hervorzuheben die klare Zeichnung der Kehle, der Binden und der Stufen. Diese beiden, aber auch viele weitere Tiere konnten voll überzeugen und den großen Zuchtfortschritt in den zehn Jahren seit Bestehen des Sondervereins dokumentieren.

 Der Präsident des BDRG, Wilhelm Ziebertz, überreichte anlässlich der Festveranstaltung mit Züchterabend auf dem Messegelände dem Erringer,  Anton Schumann, Balge, den Goldenen Siegerring.

 

Nach diesem Großereignis und den großartigen Zuchterfolgen galt es, das Erreichte zu erhalten, zu festigen sowie weitere Zuchtziele voranzutreiben. Hier waren im Wesentlichen zu nennen: Bei den Hähnen die Kämme, Kehllappen,  Rückenlinie, Ohrscheiben, saubere Grundfarbe, Hals und Sattelzeichnung, bei den Hennen, Kehl- und Kopfzeichnung, saubere Grundfarbe, Tupfengröße und eine klare nicht überladene Zeichnung.Bei den Hähnen konnten die Kämme und Kehllappen zwar in den folgenden Jahren deutlich verbessert werden, jedoch waren hier immer wieder Rückschläge hinzunehmen. Immer wieder zu beanstandende Punkte waren die Körperhaltung, Rückenlinie und die Flügelhaltung. Auch hier konnten nur langsam Fortschritte erzielt werden. Stärkste Beachtung widmeten wir der sauberen Grundfarbe, jedoch konnten hier schnell durch die Hinweise der Preisrichter Erfolge erzielt werden.

Bei den Hennen bereiteten uns die dunklen Hinterköpfe immer wieder große Probleme, eine Folge der vollen Kehlzeichnung. Als zu dunkel ist zu bezeichnen, wenn die Federn im Hinterkopf kein weiß mehr zeigen. Auch hier waren, wenn auch langsam Erfolge zu verzeichnen. Das gleiche trifft bei der klaren nicht überladenen Zeichnung zu. Ziel ist es eine breite Feder mit rundem Tupfen am Ende zu züchten. Bei breiter Feder ist naturgemäß der Tupfen auch größer und das Farbbild wirkt dunkler, deshalb sind Tiere mit großen Tupfen und folge dessen etwas überladener Zeichnung nicht zu strafen und für die Zucht besonders wertvoll. Hier ist ein guter Mittelweg anzustreben.

 

Bei den Großschauen und Hauptsonderschauen waren in all den Jahren recht gleichmäßige Kollektionen der Silberlack zu bewundern.

  

 

Die Wiedervereinigung

 

Einen neuen großen Schub brachte die Wiedervereinigung mit sich. Bei den ersten Hauptsonderschauen standen mit Rekord-Meldeergebnissen von fast 400 Tieren erstmals über 200 Silberlack.

 

Die Zuchtstände in beiden Teilen Deutschland waren sehr gleich, und so vollzog sich auch im gemeinsam zusammengeführten Sonderverein die Zucht und Bewertung vollkommen reibungslos. Die bisherige Zuchtarbeit setzte sich fort und so konnten weitere Fortschritte erzielt werden. Bei den Hähnen haben sich die Formen stark verbessert. Nur selten mussten Tiere zurückgesetzt werden. Auch farblich gab es kaum Versager. Starke Fortschritte sind gerade in den letzten Jahren in der vollen Schwanzbesichelung erfolgt. Auch ein Dauerproblem, die Kehllappen, haben sich deutlich verbessert, wenn auch leichte Falten im Kehllappenansatz nicht zu strafen sind. Bei den Hennen sind die dunklen Hinterköpfe fast verschwunden – und das bei weiterhin guter Kehlzeichnung. Auch sind die Tiere trotz breiter Feder etwas offener in der Zeichnung geworden.

  

All diese Fortschritte sind sicher auch Dank der wegweisenden Beurteilung  unseren zahlreichen Sonderrichtern bei den Ausstellungen erzielt worden. Ihnen gebührt ein besonderes Lob und gleichzeitig ein Dankeschön für ihre Tätigkeit. Ein besonderer Dank gilt aber den Züchtern, dass sie immer wieder mit Mut und Energie die neuen Ziele angepackt haben, auch wenn es häufiger Rückschläge gab. Nur dadurch können wir heute auf eine erfolgreiche Zucht bei den Silberlack blicken. Auch weiterhin wünschen wir den Zuchtfreunden viel Erfolg in der Zucht und bei den Ausstellungen. Vor allem aber viel Freude mit Ihren Silberlack-Zwergen.

 

  

Die Goldlack

 

Die Goldlack haben eine wechselhafte züchterisch Entwicklung durchlaufen . Sie wurden zwar schon um 1900 erwähnt, es befassten sich aber nur wenige Züchter mit diesem Farbenschlag. Die Zeichnung ist die gleiche, wie bei den Silberlack, nur mit dem Unterschied, dass die Grundfarbe goldbraun und die Schwanzpartie rein schwarz verlangt wird. Die Goldlack sind von ihrer Legeleistung und vom Ei-Gewicht den Silberlack noch deutlich überlegen.

 

In den zwanziger Jahren konnten bei verschiedenen Schauen Goldlack Zwerge angetroffen werden. Figürlich wird von brauchbaren Tieren berichtet, wenngleich auch die meisten etwas groß waren. Farblich konnten die Tiere wohl gefallen, jedoch ließ die Tupfenzeichnung noch viele Wünsche offen.

  

Auch nach Gründung des Sondervereins 1933 waren sie nur selten zu sehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie fast ganz verschwunden. Lediglich von den Zuchtfreunden Gockel aus Bad Dürrenberg und Lindemann aus Schüttorf ist bekannt, dass sie noch Goldlack-Zwerge züchteten. Alfred Schweitzer nahm sich schon Anfang der sechziger Jahre diesem Farbenschlag an und zeigte recht schöne Tiere. Die Tupfenzeichnung ließ aber auch noch viele Wünsche offen. Ende der sechziger Jahre nahmen sich dann die Zuchtfreunde Bornemann, Kühne, Neumann, Haubrich und Schumann diesem schönen Farbenschlag an. Schon in kürzester Zeit konnten deutliche Zuchterfolge erzielt werden.

 

Bei der Deutschen Junggeflügelschau 1969 in Hannover erhielt ein figürlich sehr schöner Hahn mit schon beachtlicher Tupfung das „Blau Band“. Figürlich machten uns die Goldlack am wenigsten Schwierigkeiten. Bei den Hennen bereitete uns die Brustzeichnung große Probleme. Es war unser vorrangigstes Ziel, diese zu verbessern. Im Lauf der Jahre, insbesondere durch Einkreuzung von großen Goldlack, ging es voran. Die Grundfarbe verbesserte sich sprunghaft. Auch zeigen die Goldlack den kräftigsten Grünlack von allen Farbenschlägen, wobei sich hier und da aber auch violette Bänderung eingeschlichen hat. Die Köpfe dagegen waren den anderen Farbenschlägen deutlich überlegen. Sehr schöne dicke runde Ohrscheiben bei beiden Geschlechtern, sowie vollkommen glatte Kehllappen waren keine Seltenheit. Auch die Brustzeichnung hat sich gerade in den letzten Jahren sehr stark verbessert, diese ist heute bei den  meisten Tieren bei beiden Geschlechtern kaum noch zu beanstanden.  

Von allen Farbenschlägen zeigten sich in den letzten Jahren die Kollektionen der Goldlack am gleichmäßigsten und erfreuten so manchen Züchter und Betrachter. Wünschen wir doch diesem schönen, heute gut durchgezüchteten Farbenschlag, weitere neue Liebhaber und Züchter.

 

  

Die Schwarzen

  

Von den schwarzen Zwerg-Hamburgern verlangen wir in verstärktem Maß die schnittige, elegante Fasanenform und die Hähne mit voller Besichelung. Feine Hennen zeigen leicht gebogenen Schwanzdeckfedern. Auch die markanten Kopfpunkte sollen bei diesem einfarbigen Tieren besonders zum tragen kommen. Ein edler Kamm und große, dicke, weiße Ohrscheiben sowie ein leuchtendes rotes Gesicht mit dunklen Augen sind zu fordern. Die Läufe wünscht man sich satt schieferfarbig.

 Die Größe der Ohrscheiben sollte dem Tier angepasst und beim Hahn etwa der Größe eines 2 €-Stückes sowie bei der Henne eines 10 Cent-Stückes entsprechen. Die rein schwarze Farbe des Gefieders soll durch ihren käfergrünen Lackglanz hohen Ansprüchen gerecht werden.

 Schon in den zwanziger Jahren beschäftigte man sich mit der Herauszüchtung der schwarzen Zwerg Hamburger. Von allen Gremien und Fachleuten wurde von der Herauszüchtung und Anerkennung wegen der Verwechslung von Bantam und schwarzen Hamburgern abgeraten. Unsere Argumente Mitte der 60er Jahre in der ehemaligen DDR und 1972 in der Bundesrepublik bei dem Antrag auf Anerkennung lautete Eindeutung: „Bei dem großen Unterschied in der Form, der Flügelhaltung und dem Schwanzaufbau ist eine Verwechslung auszuschließen“. Nach intensiver Züchtung durch Kreuzung von Goldlack, Deutschen Zwergen, und großen Hamburgern stellten die Zuchtfreunde, Horst Rommel, Lotte und Josef Tapken, Fritz Kühne, Horst Eimertenbrink, Ronald Caspers, Helmut Fritsch und Anton Schumann in Leipzig bzw. bei der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover Schwarze mit Erfolg vor. Große Anerkennung erhielten wir selbst von dem Altmeister Georg Beck, der unseren Argumenten folgte und sich für die Anerkennung aussprach. Dank außerordentlich für die Schwarzen eingesetzt hat.

Aller Anfang ist schwer, auch dieses haben in den ersten Jahren die Züchter erkennen müssen, denn wie schon dargestellt, wurden die Anforderungen an die Schwarzen verhältnismäßig hoch  gestellt. Bei den Hennen konnten in der Form schon schnell Erfolge erzielt werden, aber bei den Hähnen bereitete dies doch weitaus mehr Schwierigkeiten. Tiere mit abfallender Körperhaltung, Steilschwanz und schlechter Flügelhaltung wurden herabgesetzt. Auch zu tief stehende Tiere bei beiden Geschlechtern wurden gestraft und konnten die Note „sehr gut“ nicht erreichen. Auch in der Farbe und besonders beim Lack mangelte es so manches Mal. Mit den Kopfpunkten konnten wir dagegen  schon schnell vorankommen. In den achtziger Jahren standen dann schon mehrere überragende Tiere bei den Ausstellungen. Kaum noch mussten die Kopfpunkte und die Farbe gestraft werden. Durch die Einkreuzungen ergaben sich leider aber immer wieder recht deutliche Unterschiede in der Größe, was insgesamt störend wirkte.

 

In den letzten Jahren konnten wir in der Regel überragende Qualitäten bei den Ausstellungen bewundern.  Es konnten höchste Ansprüche an die Tiere gestellt werden und sie wurden diesen gerecht. Beste lange Formen, mit lackreichem Schwarz und den edlen Köpfen mit den gewünschten großen dicken Ohrscheiben waren zu bewundern. Wünschen wir diesem Farbenschlag auch weiterhin den gewünschten Erfolg und freuen wir uns über diese eleganten schwarzen Zwerg-Hamburger.

 

 Die Weißen

 

                        von Hermann Bach, Offenbach

  

1970 habe ich die ersten weißen Hamburger in einem Vermehrungsbetrieb in Langendiebach bei Hanau gesehen. Auf Anhieb hat dieser Farbenschlag einen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Als 1. Vorsitzender des Sondervereins des Hamburger Huhnes habe ich dann erlebt, wie einige Züchter diesen Farbenschlag wieder auf Vordermann gebracht haben. Mittlereile hatte ich mich mit den schwarzen Zwerg-Hamburgern befasst. Aber der weiße Farbenschlag ging mir nicht aus dem Sinn. Ich konnte die Zuchtfreunde Reinhold Führer, Büttelborn, und Albert Wetztel, Nauheim, begeistern, mit mir zusammen den weißen Farbenschlag herauszuzüchten.

 Bei mir entstand der weiße Farbenschlag aus einem Zwerg-Hamburger-Hahn, schwarz, und einer Hamburger-Henne der Großrasse in Weiß. Hier fielen sehr schöne weiße Hennen und als Nebenprodukt schöne blaue Zwerg- Hamburger. Bei der Hauptsonderschau 1990 in Großostheim haben wir drei unsere ersten weißen Tiere intern vorgestellt. Ich hatte sehr gute weiße Hennen und Zuchtfreund Führer hatte einen sehr guten, aus „Rheinländerzucht“ stammenden weißen Zwerghahn, den er mir zur Zucht überließ. So konnten wir schon 1991 anlässlich der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover die ersten Zwerg-Hamburger, weiß, als Neuzüchtung vorstellen.

 Die Kommentare in der Fachpresse während der drei Jahre des Vorstellungsverfahrens waren durchweg positiv, wie man nachfolgend entnehmen kann:

  „Bei immerhin schon drei hier vertretenen Zuchten und mit fünf „sg“ honorierten Zuchtstand kann von einer solch gefestigten Zuchtbasis ausgegangen werden, dass der Anerkennung wohl nichts mehr im Wege stehen sollte“.

 Am 12. Mai 1994, anlässlich der BZA Sitzung in Haus Düsse wurden die Zwerg-Hamburger, weiß, anerkannt.

 In der Musterbeschreibung verlangen wir in der Farbe reines silberweiß. Die Läufe schieferblau und etwas hellere Augen als bei den Schwarzen Farbenschlag. Starker gelber Anflug ist als grober Fehler einzustufen. Alle weiteren Kriterien haben dem Standard der Zwerg-Hamburger zu entsprechen. Dass ein weißes Tier vor der Schau gewaschen werden muss, ist selbstverständlich. Dazu nimmt man lauwarmes Wasser, fügt ein handelsübliches Waschmittel hinzu und reinigt die Tiere je nach Verschmutzungsgrad damit. Nach dem Waschvorgang muss man das Gefieder gut ausspülen und abtrocknen lassen. Lässt man sie in einem vorgewärmten Raum auf eine Sitzstange über Nacht trocknen, steht einem Ausstellungserfolg nichts mehr im Weg. Es ist ratsam, diese „Wäsche“ zirka fünf Tage vor der eigentlichen Ausstellung durchzuführen.

 In den ersten Jahren waren selbstverständlich noch viele Fehler auszumerzen. So konnten die Kämme nicht immer überzeugen. Auch in der Größe waren die Tiere noch zu unterschiedlich. Bei den Hähnen konnten die Schwänze nicht befriedigen und auch die Läufe waren häufig etwas hell. All diese Probleme konnten aber mit der Zeit zum größten Teil ausgeräumt werden. In den letzten Jahren kann sich dieser Farbenschlag sehr wohl mit den anderen Farbenschlägen messen lassen und bei den Ausstellungen konnten wir feine Kollektionen der Weißen bewundern.

 Ich glaube, der weiße Farbenschlag hat sich in der Palette der Zwerg-Hamburger gut eingefügt. Mittlerweise werden die Zwerg-Hamburger, weiß, in Holland, Großbritannien und Dänemark gezüchtet.

 

Die Blauen

  

Bei den großen Hamburgern sind neben den Schwarzen und Weißen auch die Blauen zugelassen. Zuchtfreund Friedbert Peter hat sich in den neunziger Jahren mit der Erzüchtung dieses Farbenschlages beschäftigt und sie zur Anerkennung vorgestellt. Dieser dann 1994 zugelassene Farbenschlag ist aus schwarzen und weißen Zwerg-Hamburgern herausgezüchtet worden. Die Rassemerkmale bereiten bei der Züchtung nicht die größten Probleme, denn die Ausgangstiere sind fast ausschließlich Zwerg-Hamburger. Wir konnten in den letzten Jahren wunderbare Blaue mit tollen Figuren und feinen Köpfen sowie schönen Ohrscheiben bei den Hauptsonderschauen sehen. Die Farbe lautete bisher Blau und ist nun im Rahmen der Europäischen Standardanpassung rasseübergreifend in

„Blau Gesäumt“ umbenannt worden. Die neue Musterbeschreibung lautet nun: „Grundfarbe etwas dunkleres Taubenblau. Jede Feder mit mehr oder weniger dunkelblauem Saum. Hals- und Sattelbehang, Rücken und Flügeldecken des Hahnes sowie Halsbehang der Henne im Blau dunkler“. Diese Änderung kommt sicher den Züchtern entgegen. Leider gibt es nur wenige Zuchten unserer blauen Zwerg-Hamburger.

 

  

Die Gold- und Silbersprenkel

  

Schon weit vor 1900 wurde von den Hamburger-Sprenkel-Hühnern in Büchern berichtet. Einer Verzwergung der beiden Farbenschläge wurde aber in Deutschland nicht nachgegangen. In Holland sind die Gold- und Silbersprenkel schon sehr lange anerkannt und so standen schon 1947 in Enschede mehrere Tiere beider Farbenschläge.

Nach Besuchen bei holländischen Ausstellungen entschlossen sich einige Zuchtfreunde die dort anerkannten Goldsprenkel auch in Deutschland im Anerkennungsverfahren vorzustellen. Durch Kreuzungen der verhältnismäßig kleinen Goldsprenkel aus Holland mit kleinen Tieren der großen Hamburger Goldsprenkel ergaben sich sehr schnell brauchbare Tiere. Bei den Ausstellungen in Hannover zeigten 1989 bis 1991 die Zuchtfreunde Heinrich Friedrichs, Bruno Haubrich und Werner Schnelle ihre Tiere. Ebenfalls stellte zur gleichen Zeit Zuchtfreund Dieter Riedel seine Goldsprenkel in der DDR zur Anerkennung vor. Die Anerkennung wurde dann 1992 ohne Vorbehalte ausgesprochen. Nun galt es diese Zuchten zu festigen und der Musterbeschreibung entsprechend zu verbessern. Die Hähne sollen gleichmäßig am ganzen Körper goldbraun mit glänzenden Flügeldecken sein - die Steuerfedern schwarz und die Sicheln schwarz mit schmaler goldbrauner Säumung.

Bei den Hennen dagegen sollen die Federn mit Ausnahme des Halsbehangs, mit schmalen schwarzen, grünglänzenden Wellenbändern, möglichst im Verhältnis 1 : 1 sein, und sich gleichmäßig von Feder zu Feder fortsetzen und bandartig über den ganzen Körper ziehen.

Diese Ziele konnten sehr schnell verwirklicht werden. Zu verbessern sind sicher noch die Ohrscheiben, die besonders bei den Hennen noch zu klein und zu dünn sind.

Zur gleichen Zeit bemühte sich unser Altmeister Karl Fischer um die Anerkennung der Silbersprenkel. Mit Unterstützung der Zuchtfreunde Uwe Seidemann und Josef Langfermann wurde 1993 die Anerkennung der Zwerg-Hamburger, silbersprenkel, ausgesprochen. Die Hauptfarbe ist bei den Silbersprenkel silberweiß und die Zeichnung entspricht den Goldsprenkel. Bei den Silbersprenkel bereitet ähnlich wie bei den Weißen die Grundfarbe das größte Problem. Immer wieder trifft man schöne Tiere mit fehlerhaften gelben Anflug an. Die Hähne sollten eine noch gestrecktere längere Form haben. Bei den Hennen wünschen wir uns noch eine bessere Wellenbänderung in der Brustzeichnung. In Hannover stand  2003 erstmals eine größere Kollektion von Silbersprenkel. Bei den sehr gleichmäßigen Hennen konnte erstmals eine feine Formhenne mit bester Zeichnung mit vorzüglich Blaues Band herausgestellt werden. Wünschen wir diesem jungen Farbenschlag eine größere Beliebtheit.